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Unsere Kirche - kreuz und queer

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Andacht für die "Ruhrwelle" am 28.05.1997 zu Mathäus 8, 5-13

Ich möchte Ihnen eine Geschichte aus der Bibel erzählen. Da kommt ein römischer Hauptmann zu Jesus und bittet ihn: "Herr, mein Diener liegt zu Hause und ist krank." Solche Geschichten kennen Sie? Nichts Besonderes? Und doch ist diese spannend für mich:

Da wagt es ein römischer Hauptmann, den Juden Jesus anzusprechen. Ebenso verhaßt ist er wie damals bei uns die DDR- Grenzer. Dazu glaubt er auch noch an ganz andere Götter. Eine Zumutung für Jesus, aber auch für den Hauptmann selbst: Er muß damit rechnen, daß Jesus ihm sagt: "Unseren Feinden helfe ich nicht!"; daß Jesus ihn verhöhnt:" Ihr habt doch Eure eigenen Götter; versuch doch mal, ob sie Dir helfen können."

Der Hauptmann setzt sich diesem Risiko aus. Nicht einmal für sich selbst, sondern für seinen Diener. Merkwürdig: Sklaven zählen nicht viel; man kann sich problemlos einen neuen kaufen. Dafür sich selbst auf den Weg machen? Dafür sich blamieren?

Sein Diener muß ihm sehr wichtig sein. Ist das Freundschaft oder noch mehr? Jesus antwortet dem Hauptmann einfach: "Ich will kommen und ihn gesund machen." Er akzeptiert diese beiden Menschen ohne jeden Vorbehalt. Sie brauchen Hilfe, das ist genug. Keine Forderung, anders zu werden.

Der Hauptmann hat damit wohl nicht gerechnet. Er bekommt Angst. Wenn Jesus mit seinen Anhängern zu ihm nach Hause kommt, wird alles so deutlich zu sehen sein: die Hausaltäre für andere Götter; vielleicht ihr gemeinsames Bett. Bloßgestellt wären sie.

Und so bittet er Jesus: "Kannst Du ihn nicht von hier aus gesund machen? Ohne uns so nahe zu kommen?" Jesus nimmt ihn an mit seinen Ängsten und seinem Wunsch nach Schutz. Er weiß, wie verächtlich seine eigenen Anhänger über den Hauptmann denken: "Ein Heide; ein Ausländer; ein feindlicher Soldat; vielleicht auch noch schwul." Jesus sieht diese Blicke und sagt: "Tragt Eure Nase nicht so hoch. An Gottes Tisch gehören Leute, mit denen Ihr nicht rechnet. Verurteilt sie nicht, sonst bleibt Ihr selbst noch draußen. Dieser Mann brauchte sehr viel Vertrauen, um zu mir zu kommen. Mehr als jedeR von Euch. Nehmt Euch an ihm ein Beispiel." Und Jesus hilft ihm.

 

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Last Recent Revision: 13.06.2006 | Michael