Schwanengesang

Was 1991 als ein einmaliger Gag gedacht war und sich dennoch über lange Zeit behaupten konnte, fand vor wenigen Wochen ein Ende: „Die Lederbaden“, der Chor des MSC Rote Erde hat sich aufgelöst.

Zu sehr litt die Truppe in der letzten Zeit unter Fluktuationen, so dass wir zum Schluss keine Möglichkeit mehr für ein sinnvolles Proben und die Entwicklung neuer Stücke sahen. Mit einem gemütlichen Beisammensein, gutem Essen und einem gepflegten Tratsch über vergangene Zeiten und Histörchen („Weißt Du noch, als wir damals...?“) fand der Chor sein (vorläufiges?) Ende.

Lederpott 1999

Fotoalbum

Aus einer Bierlaune heraus fanden sich einfach aus Spass an der Freude vor mehr als 8 Jahren ein Dutzend sangesfreudiger Männer zusammen. Der Gedanke, ob man als ernster Ledermann so etwas tun darf, wurde locker links liegen gelassen und sich an das szenebezogene Umtexten von allem gemacht, was die Noten und die Stimmen hergaben: Schlager, Musicals, Volkslieder und Operetten waren nicht vor uns sicher.  

Auftritte in Stuttgart, Münster, Berlin und natürlich zu unseren Dortmunder Ledertreffen waren für uns ebenso nervenaufreibende wie heitere Ereignisse, egal ob wir unsere „Sangeskunst“ vor 50 oder 500 Leuten vortrugen.

Mit dem Augenzwinkern eines Till Eulenspiegels versuchten wir unsere eigene Szene mit ihren Ritualen, Phantasien und dennoch allzu menschlichen Eigenheiten, sich selbst sehen zu lassen. Beim sogenannten „normalen“ Publikum sollten Vorurteile und Hemmschwellen abgebaut werden. Doch haben wir uns nicht nur der Heiterkeit gewidmet, sondern auch den ernsten Themen, die schließlich ebenso unsere Begleiter sind: Einsamkeit, Trauer, Falschheit und Beziehungsprobleme. Wichtig war uns bei allem jedoch immer, den Wert der Freundschaft zu betonen, denn vor allem sie kann uns über die meisten Probleme des Alltags hinweghelfen.

Über 40 Männer kreuzten als Mitglied den Weg des Chores und begleiteten ihn durch eine bewegte Zeit. Für einige war es der erste Kontakt und Einstieg zur Lederszene, Beziehungen wurden geknüpft und unter Einsatz von viel Arbeit und Freizeit gemeinsame Erlebnisse geteilt.

Ihnen allen möchte für die Zusammenarbeit danken und an die erinnern, die zwischenzeitlich verstorben sind: Carsten, Roger, Peter.

Besonderer Dank gilt Heiner (Klavier) und Andrew (Chorleitung), die jahrelang falsche Töne, munteres Geplapper während der Proben und manchen Frust ertragen mussten.

Doch was wäre ein Chor ohne sein Publikum, dass unseren kleinen Darbietungen mal mit einem lachenden, mal mit einem weinenden Auge folgte und großzügig über diverse Patzer hinwegsah. Euer Applaus war unser Auftrieb, Ansporn und Belohnung.

Der Vorhang hat sich geschlossen, „Die Lederbarden“ des MSC Rote Erde Dortmund sagen: “Danke!“

Michael